Am Humboldthain: Siegerentwurf für Berliner Gewerbequartier vorgestellt

Am Humboldthain: Siegerentwurf für Berliner Gewerbequartier vorgestellt

Am Humboldthain: Siegerentwurf für Berliner Gewerbequartier vorgestellt
Ein Modell des Gewerbequartiers Am Humboldthain. Foto: Mara Kaemmel

Es gibt nicht mehr viele Produktionsstandorte in der Innenstadt. Doch das 6,5 Hektar große Areal des alten AEG-Werkes an der Gustav-Mayer-Allee in Berlin-Mitte ist einer und soll auch einer bleiben. Der Gewerbestandort gilt als einer von elf Zukunftstorten in Berlin. Der Entwurf des dänischen Planungsbüros Cobe für das Quartier Am Humboldthain hat das Rennen im städtebaulichen Wettbewerb gemacht.

Kölner Immobilienmonitor

Das Gelände an der Gustav-Mayer-Allee war etwas besonders. Und wenn es nach den Plänen der Stadtpolitiker und der Investoren geht, wird das alte AEG-Areal am Humbolthain ein Zukunftsprojekt der Superlative. Es ist die größte innerstädtische Entwicklung eines Gewerbequartiers in der Hauptstadt. Bereits der städtebauliche Wettbewerb ist auf enormes Interesse gestoßen.

Mitte März hatten insgesamt 20 renommierte Architekturbüros ihre Entwürfe eingereicht. Als Sieger ist das dänische Planungsbüro Cobe hervorgegangen. Dan Stubbergaard, Gründer und Inhaber von Cobe hatte gleich nach der Bekanntgabe im August erklärt: „Wir entwickeln die flexiblen und schlauen Produktions- und Produktionsstätten im Geiste Behrens weiter und öffnen das Quartier mit einem neuen zentralen Park für alle Berliner.“

Zukunftsort in Berlin soll zum Quartier Am Humboldthain entwickelt werden

Der Architekt Peter Behrens entwarf die einstige AEG-Hochspannungsfabrik. Die alten Backsteingebäude haben sich als so flexibel erwiesen, dass sie auch nach mehr als einhundert Jahren noch genutzt werden können. Heute zählt das Areal zu den elf sogenannten Zukunftsorten in Berlin, die sich durch die Vernetzung von Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft auszeichnen. Auf dem Gelände ist unter anderem das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration ansässig, daneben Technologiefirmen und Autozulieferer. Im Umfeld gibt es weitere Institute der Technischen Universität. Die Investoren wollen das 6,5 Hektar große Gelände in den nächsten Jahren zum Quartier Am Humboldthain weiterentwickeln.

Die aktuelle Bebauung vor Ort. Foto: Mara Kaemmel
Die aktuelle Bebauung vor Ort. Foto: Mara Kaemmel

Ziel ist es, ein Cluster für Wissenschaft und Forschung sowie Umsetzung in marktfähige Produkte zu schaffen. Federführend für das Projekt ist die Quartier am Humbolthain GmbH. Die Coros Management GmbH und die BÜRO DR. VOGEL GmbH sind als Entwicklungspartner dabei. Nach zwei Jahren Abstimmung mit dem Bezirk und dem städtebaulichen Wettbewerb sprach Geschäftsführer Markus Vogel bei der öffentlichen Präsentation des Siegerentwurfes von einem Stück Stadtreparatur: „Wir haben hier als Ziel definiert, dass wir einen offenen Städtebau haben.“ Ein abgeschlossenes Gewerbegelände mit Schranke und Pförtner wird es nicht mehr geben. „Wir verstehen dieses Gewerbegebiet als offenen und transparenten Ort für Arbeitsplätze, der zu einem Stück Stadt wird. Man hat hier eine Stadterweiterung, die für alle öffentlich sein wird.“

Gewerbequartier mit vier Hochpunkten

Was ist geplant? Die alte Nixdorf-Fabrik für Computertechnik auf dem Areal wird abgerissen. Sie wurde später gebaut und sitzt wie ein Fremdkörper auf dem Gelände. Insgesamt werden in dem Projekt 225.000 bis 250.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche neu errichtet. Davon sind 40 Prozent für Produktion vorgesehen. Markus Vogel betonte noch einmal, dass Produktionsstätten wichtig seien. Mit Blick auf die Stadt der kurzen Wege sei es nicht sinnvoll, Produktion immer am Rand anzusiedeln.

Und Produktion sei nicht zwingend Fließbandarbeit. Wer heute Produkte entwickle, könne sich aussuchen, wo er arbeiten möchte. „Ein innerstädtischer Standort ist da ein Entscheidungskriterium.“ Und damit ein Wettbewerbsvorteil. Von den übrigen 60 Prozent sollen neben Flächen für Büros und Labore auch fünf Prozent für Gastronomie und Kultur vorbehalten sein, also rund 10.000 bis 12.000 Quadratmeter.

Eine Grafik des zukünftigen Quartiers Am Humboldthain. Foto: Mara Kaemmel
Der Siegerentwurf für das Quartier Am Humboldthain. Foto: Mara Kaemmel

Der Entwurf von Cobe sieht im Detail eine Bebauung mit fünf- bis achtgeschossigen Gebäuden und vier Hochpunkten vor. Entlang der Gustav-Mayer-Allee wird sich eine Gebäudezeile erstrecken, die in den Höhen mäandert. Das höchste Gebäude: 68 Meter hoch. Das oberste Geschoss ist dabei als öffentliche Skylounge konzipiert, die Besuchern einen Blick auf den gegenüberliegenden Humboldthain bietet. Die drei anderen Hochpunkte im Inneren werden nur rund 60 Meter hoch.

Das Stadtklima im Blick

Was die Jury an dem Entwurf am meisten beeindruckt hat, sind der geplante Quartierspark, die Wegführung und Verknüpfung mit der Nachbarschaft. Anett-Maud Joppien, Vorständin von Dietz Joppien Architekten und Fachpreisrichterin, sprach von einem durch die Klimakrise ausgelösten Paradigmenwechsel beim Städtebau, in dem die sozialen Fragen der Stadtgesellschaft zu berücksichtigen sind. Die sozialen Fragen seien Leitmotive, die über die strukturellen Fragen weit hinausgehen.

Der zweite Aspekt sei die Verbesserung des Stadtklimas, auch bei einem solchen Gewerbeprojekt. Es gehe also, um weniger Verdichtung im Stadtrand und um intelligente Nachverdichtung in der Innenstadt. Sie betonte den Blick auf das Projekt aus der Fußgängerperspektive. „Aus dieser Perspektive hat der Entwurf sehr gute Maßstabsebenen gebracht.“ Dazu gehöre die konturierte Bebauung zur Gustav-Mayer-Allee, ein Eingangsplatz mit dem Hochpunkt. Der Entwurf von Cobe sieht dahinter als Herzstück der Anlage einen Quartierspark mit einem Regenwassersee vor.

Um diesen Quartierspark gruppieren sich drei Ensemble, die den Raum damit auch einfassen. Der See bietet nicht nur hohe Aufenthaltsqualität, sondern auch Kühlung im Sommer. „Man kann sich vorstellen, dass sich hier ein Zentrum entwickelt.“ Für die Menschen, die dort arbeiten, für Studenten, aber auch für die Menschen aus der Umgebung. „Das hat uns ganz besonders beeindruckt.“

Ephraim Gothe,
 Dr. Marus Vogel,
 Anett-Maud Joppien und Lutz Keßels wirken zufrieden mit dem Entwurf. Foto: Mara Kaemmel
Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat von Berlin, Dr. Marus Vogel, Geschäftsführer BÜRO DR. VOGEL GmbH, Anett-Maud Joppien, Architektin und Fachpreisrichterin sowie Lutz Keßels, Geschäftsführer Quartier am Humbolthain GmbH, wirken zufrieden mit dem Entwurf. Foto: Mara Kaemmel

Quartier am Humboldthain wird Alt und Neu verknüpfen

Darüber hinaus ist eine grüne Achse vorgesehen, die zur alten Werkshalle führt und die Verknüpfung von Alt und Neu schafft. Über das historische Beamtentor gibt es einen Zugang zur Brunnenstraße. Zugänge und grüne Passagen sind nach allen anderen Seiten vorgesehen. „So, dass man sich eine informelle Vernetzung in die angrenzenden Quartiere vorstellen kann.“ Eine wichtige Facette des Projektes sei, dass sich immer wieder Durchblicke zu der alten Backsteinarchitektur böten. „Im Fazit können wir sagen, dass die Thematik der Freiräume im Kontext mit der Setzung der Volumen und deren Struktur für uns eine sehr zukunftsfähige städtebauliche Entwicklung ist, auch unter dem stadtklimatischen Aspekt.“ 

Mit dem Bebauungsplan rechnen die Projektverantwortlichen bis 2026. Als Zielmarke für die Fertigstellung gilt 2030. Wegen der derzeitigen Turbulenzen am Markt wollte sich Markus Vogel nicht auf ein Investitionsvolumen festlegen. Es wird im Milliardenbereich liegen.

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