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Büros bleiben systemrelevant

Wie sieht die Zukunft der Büroimmobilien im Zeichen von Corona aus? Droht der Assetklasse ein Bedeutungsverlust? Nein!, findet Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. Und er nennt auch gute Gründe dafür. Ein Kommentar.

Wie sieht die Zukunft der Büroimmobilien im Zeichen von Corona aus? Droht der Assetklasse ein Bedeutungsverlust? Nein!, findet Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. Und er nennt auch gute Gründe dafür.
Von Gastbeitrag von Rainer Schorr, Geschäftsführer PRS Family Trust GmbH , 12.10.2020

Fürs Controlling ist es natürlich eine schöne Aufgabe, mal auszurechnen, wieviel Fläche man einsparen könnte, wenn 80 Prozent der Schreibtische an zwei Tagen in der Woche nicht genutzt werden. Nur hat die mathematische Lösung nichts mit der sozialen Realität eines Büros zu tun. Nein, ich meine nicht, dass die Mitarbeiter Räume für gegenseitigen Austausch, Wellness oder die Entfaltung ihrer Kreativität sowie Angebote zur Kinderbetreuung benötigen könnten, und der Minderbedarf durch neue Bedürfnisse kompensiert werden wird.

Signifikantes Arbeitsraumkonzept für die Leistungsgesellschaft

Die Fokussierung auf solche Wohlfühlaspekte ist aus meiner Sicht vielmehr ein Indiz, dass der Charakter des Büros als Disziplinierungs- und Hierarchiesierungsanstalt augenblicklich stark unterschätzt wird oder bewusst verdeckt werden soll. Als für die Leistungsgesellschaft signifikantes Arbeitsraumkonzept ist das Büro in den vergangenen Jahrhunderten konsequent weiterentwickelt worden. Im Kern ging es dabei immer um die Frage, wie sich Effizienzsteigerung sowie Qualitäts- und Leistungskontrolle räumlich optimal umsetzen und gegebenenfalls mit den Wünschen der Mitarbeiter harmonisieren lassen. In diesem Sinne hat sich beispielsweise für Kundenservice und Callcenter das Großraumbüro als Raumkonzept etabliert. Kleine Zellenbüros sind dagegen ein Kompromiss, der aus der Notwendigkeit längerer Konzentrationsphasen resultiert. Lange und gerade Flure sowie die Zählung der bewältigten Vorgänge stellen dabei sicher, dass diese auch eingehalten werden.  

So gesehen beruhen unternehmensseitige Angebote nach Ausweitung des örtlich flexiblen Arbeitens auch auf der Tatsache, dass sich die Mitarbeitereffizient leicht auch mit elektronischen Mitteln kontrollieren lässt. Ungelöst ist allerdings die Frage, wie sich Servicekräfte im Homeoffice motivieren lassen. Videokonferenzen sprechen nur die Minderheit an, die zur Selbstoptimierung tendiert und der schnellere Kollege ist zu weit weg, um als persönliche Benchmark zu dienen. Zudem fehlt es an Möglichkeiten, Hierarchien sichtbar zu machen. Der schönere Arbeitsplatz, das größere Büro mit der besseren Ausstattung sind spätestens ab der mittleren Führungsebene unschätzbare Distinktionsmerkmale, die den Rang des jeweiligen Mitarbeiters symbolisieren.

Näher beim Chef und am Geschehen

Hinzu kommt die Tatsache, dass man im Büro immer näher beim Chef und am Geschehen ist als zu Hause. Das heißt: Die Möglichkeit vom heimischen Schreibtisch aus auf wichtige Entscheidungen einwirken zu können, ist – gefühlt oder tatsächlich – deutlich reduziert, weshalb das Management im Zweifel in die Zentrale zurückkehrt und mit ihm nach und nach auch alle anderen Mitarbeiter, die noch an ihre Karriere glauben. Das heißt: Selbst wenn das Unternehmen den Arbeitsort freistellt, wird es demnächst wieder eine Begründung brauchen, um von zu Hause arbeiten. Und die Zahl der Gründe bleibt in Zukunft ebenso überschaubar wie das Einsparpotenzial bei der Bürofläche.

Der Beitrag erschien zuerst in der Immobilien Zeitung vom 10.09.2020.

Aufmacherfoto: Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. Copyright: PRS Family Trust GmbH.

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