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DDR-Luxusherberge „Gästehaus am Park“ in Leipzig wird saniert

Die Lewo AG investiert 50 Millionen Euro in die Sanierung des Gästehauses des Ministerrates und Politbüros der DDR. Nach langem Hin und Her rollen auf dem Gelände endlich die Bagger. Wir verraten, was genau vor Ort geplant ist.

Die Lewo AG investiert 50 Millionen Euro in die Sanierung des Gästehauses des Ministerrates und Politbüros der DDR. Nach langem Hin und Her rollen auf dem Gelände die Bagger.
Von Steffen Höhne, 16.10.2020

Einst hat im „Gästehaus am Park“ Erich Honecker residiert und las dort West-Zeitungen. Nun sollen in dem denkmalgeschützten Gebäuden und einem modernen Anbau 121  Mitwohnungen entstehen. Nach 25 Jahren Leerstand hat eine Tochterfirma der Leipziger Lewo AG mit der Sanierung  begonnen. „Nachdem wir die Baugenehmigung in den Händen hatten, rollten schon die ersten Bagger“, sagt Stephan Praus, Gründer und Vorstand der Lewo AG. Wegen behördlicher Genehmigungsverfahren und Umweltschutzauflagen verzögerte sich das Projekt in den vergangenen Jahren immer wieder. Umso schneller will Praus nun die 50-Millionen-Euro Investition „in der besten Lage Leipzigs“ vorantreiben.

Honecker-Herberge „Gästehaus am Park“ wird in Wohnraum umgewandelt

In der Schwägrichenstraße entstand bis 1969 das „Gästehaus des Ministerrates und Politbüros der DDR“ (so der offizielle Name) - ein zweigeschossiger Flachbau und ein Sechsgeschosser mit Blick auf den Clara-Zetkin-Park. Vor allem zu Messezeiten nutzte die Staatsspitze das nichtöffentliche Haus, in dem auch Restaurant und Kino untergebracht waren. Erich Honecker ließ sich im „Gästehaus am Park“ laut Überlieferungen gern ein gut gekühltes DAB-Dosenbier und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) servieren.

Bekannt wurde die Luxusherberge 1983 durch den Besuch des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, der im Keller des Gebäudes mit Honecker einen Milliardenkredit für die klamme DDR aushandelte. Nach der Wende wurde 1995 das Inventar versteigert, und die Treuhand verkaufte das Areal an die Restaurant-Kette Block. Der Plan eines Hotelneubaus scheiterte allerdings.  Danach verfielen die Gebäude. Die Fassade ist übersäht mit Graffiti, Vandalen zerstörten Fenster und Türen der Apartments, Speise- und Konferenzsäle.

Galerie: Am GAP rollen die Bagger!

An Honis Herberge rollen endlich die Bagger. Copyright: Steffen HöhneDas Gästehaus am Park wird zu Wohnungen umgestaltet. Copyright: Steffen HöhneNach vielen Verzögerungen kann es am GAP endlich losgehen! Copyright: Steffen HöhneEine Visualisierung des möglicherweise entstehenden Ensembles. Copyright: Lewo AG/Unverbindliche Visualisierung

Eigentumswohnungen werden betitelt mit passenden Namen wie „Erich“ und „Franz Josef“

Stephan Praus blickt anders auf das „Gästehaus am Park“: Die etwa 400 Quadratmeter große Eingangshalle mit Atrium in dem zweistöckigen Flachbau werde restauriert, das Wandrelief des bekannten Malers Bernhard Heisig (Leipziger Schule) soll in neuem Glanz erscheinen. Denkmalschutz und Konstruktion der Gebäude bestimmen die künftige Gestaltung. So soll nicht nur die Fassade rekonstruiert werden. Laut Stephan Praus werde auch der Schnitt der Apartments teilweise erhalten.

„Wir werden dadurch unter anderem großzügige Zwei-Raum-Wohnungen mit etwa 80 Quadratmetern bauen“, so der Unternehmer. Die neuen Einheiten bekommen passende Namen: „Erich“ und „Franz Josef“ – wobei Strauß nie im Gästehaus genächtigt haben soll. Auf die beiden Altbauten komme noch ein Staffelgeschoss, in den Flachbau ein zweiter Lichthof, damit alle Wohnungen viel Tageslicht besitzen.

Wohnungen im „Gästehaus am Park“ sind bereits verkauft

Damit sich das Gesamtprojekt finanziell lohnt, wird zusätzlich auf dem Areal ein siebengeschossiger Neubau mit etwa 36 Wohnungen entstehen. Das Gebäude zur Parkseite bekommt abgerundete Ecken. Die Tiefgarage soll später nicht mehr sichtbar sein. Die Pläne für das Bauensemble hat das Leipziger Architekturbüro Homuth+Partner ausgearbeitet. Bei den Investoren kommt das Projekt gut an. „Alle Wohnungen sind bereits verkauft“, sagt Stephan Praus. Die Vermietung werde Lewo übernehmen.

Stephan Praus Firma hatte das „Gästehaus am Park“ bereits 2016 für rund neun Millionen Euro erworben. Damals begannen bereits die Planungen. Die Arbeiten wurden jedoch um Jahre verzögert, weil der ursprüngliche Bebauungsplan ein Hotel vorsah. Ein langwieriges Planungsverfahren der Behörden war daher notwendig. So wurde der streng geschützte Juchtenkäfer auf dem Gelände vermutet. „Er wurde nie gesehen, bestimmte aber das Geschehen“, kommentiert Stephan Praus. Der Lewo-Chef will aber nicht mehr zurückblicken, sondern nach vorn: „Die ersten Wohnungen wollen wir bezugsfertig 2022 fertigstellen, bis 2023 soll das Projekt abgeschlossen sein."

Aufmacherfoto: So könnte das Ensemble einmal aussehen.
Quelle: Lewo AG/Unverbindliche Visualisierung

Unser erster Artikel zum Gästehaus am Park mit weiteren Fotos

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