DDR-Luxusherberge „Gästehaus am Park“ in Leipzig wurde saniert und erweitert

DDR-Luxusherberge „Gästehaus am Park“ in Leipzig wurde saniert und erweitert

DDR-Luxusherberge „Gästehaus am Park“ in Leipzig wurde saniert und erweitert
Aus Honis-Herberge wurde das Gästehaus am Park. Quelle: LEWO

Die Lewo AG investiert 50 Millionen Euro in die Sanierung des Gästehauses des Ministerrates und Politbüros der DDR. Nach langem Hin und Her rollten auf dem Gelände endlich die Bagger. Die Bauarbeiten schritten in der Folge gut voran und im September 2023 konnten die letzten Wohnungen an die neuen Bewohner übergeben werden.

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Artikel vom 16.10.2020: Einst hat im „Gästehaus am Park“ Erich Honecker residiert und las dort West-Zeitungen. Nun sollen in dem denkmalgeschützten Gebäuden und einem modernen Anbau 118 mietbare Ein- bis Vier-Zimmerwohnungen entstehen. Nach 25 Jahren Leerstand hat eine Tochterfirma der Leipziger Lewo AG mit der Sanierung  begonnen. „Nachdem wir die Baugenehmigung in den Händen hatten, rollten schon die ersten Bagger“, sagt Stephan Praus, Gründer und Vorstand der Lewo AG. Wegen behördlicher Genehmigungsverfahren und Umweltschutzauflagen verzögerte sich das Projekt in den vergangenen Jahren immer wieder. Umso schneller will Praus nun die 50-Millionen-Euro Investition „in der besten Lage Leipzigs“ vorantreiben.

Honecker-Herberge „Gästehaus am Park“ wird in Wohnraum umgewandelt

In der Schwägrichenstraße entstand bis 1969 das „Gästehaus des Ministerrates und Politbüros der DDR“ (so der offizielle Name) - ein zweigeschossiger Flachbau und ein Sechsgeschosser mit Blick auf den Clara-Zetkin-Park. Vor allem zu Messezeiten nutzte die Staatsspitze das nichtöffentliche Haus, in dem auch Restaurant und Kino untergebracht waren. Erich Honecker ließ sich im „Gästehaus am Park“ laut Überlieferungen gern ein gut gekühltes DAB-Dosenbier und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) servieren.

Bekannt wurde die Luxusherberge 1983 durch den Besuch des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, der im Keller des Gebäudes mit Honecker einen Milliardenkredit für die klamme DDR aushandelte. Nach der Wende wurde 1995 das Inventar versteigert, und die Treuhand verkaufte das Areal an die Restaurant-Kette Block. Der Plan eines Hotelneubaus scheiterte allerdings.  Danach verfielen die Gebäude. Die Fassade ist übersäht mit Graffiti, Vandalen zerstörten Fenster und Türen der Apartments, Speise- und Konferenzsäle.

Galerie: Am GAP rollen die Bagger!

An Honis Herberge rollen endlich die Bagger. Copyright: Steffen HöhneDas Gästehaus am Park wird zu Wohnungen umgestaltet. Copyright: Steffen HöhneNach vielen Verzögerungen kann es am GAP endlich losgehen! Copyright: Steffen HöhneEine Visualisierung des möglicherweise entstehenden Ensembles. Copyright: Lewo AG/Unverbindliche Visualisierung

Eigentumswohnungen werden betitelt mit passenden Namen wie „Erich“ und „Franz Josef“

Stephan Praus blickt anders auf das „Gästehaus am Park“: Die etwa 400 Quadratmeter große Eingangshalle mit Atrium in dem zweistöckigen Flachbau werde restauriert, das Wandrelief des bekannten Malers Bernhard Heisig (Leipziger Schule) soll in neuem Glanz erscheinen. Denkmalschutz und Konstruktion der Gebäude bestimmen die künftige Gestaltung. So soll nicht nur die Fassade rekonstruiert werden. Laut Stephan Praus werde auch der Schnitt der Apartments teilweise erhalten.

„Wir werden dadurch unter anderem großzügige Zwei-Raum-Wohnungen mit etwa 80 Quadratmetern bauen“, so der Unternehmer. Die neuen Einheiten bekommen passende Namen: „Erich“ und „Franz Josef“ – wobei Strauß nie im Gästehaus genächtigt haben soll. Auf die beiden Altbauten komme noch ein Staffelgeschoss, in den Flachbau ein zweiter Lichthof, damit alle Wohnungen viel Tageslicht besitzen.

Wohnungen im „Gästehaus am Park“ sind bereits verkauft

Damit sich das Gesamtprojekt finanziell lohnt, wird zusätzlich auf dem Areal ein siebengeschossiger Neubau mit etwa 36 Wohnungen entstehen. Das Gebäude zur Parkseite bekommt abgerundete Ecken. Die Tiefgarage soll später nicht mehr sichtbar sein. vier Gewerbeeinheiten runden das Vorhaben ab. Die Pläne für das Bauensemble hat das Leipziger Architekturbüro Homuth+Partner ausgearbeitet. Bei den Investoren kommt das Projekt gut an. „Alle Wohnungen sind bereits verkauft“, sagt Stephan Praus. Die Vermietung werde Lewo übernehmen.

Stephan Praus Firma hatte das „Gästehaus am Park“ bereits 2016 für rund neun Millionen Euro erworben. Damals begannen bereits die Planungen. Die Arbeiten wurden jedoch um Jahre verzögert, weil der ursprüngliche Bebauungsplan ein Hotel vorsah. Ein langwieriges Planungsverfahren der Behörden war daher notwendig. So wurde der streng geschützte Juchtenkäfer auf dem Gelände vermutet. „Er wurde nie gesehen, bestimmte aber das Geschehen“, kommentiert Stephan Praus. Der Lewo-Chef will aber nicht mehr zurückblicken, sondern nach vorn: „Die ersten Wohnungen wollen wir bezugsfertig 2022 fertigstellen, bis 2023 soll das Projekt abgeschlossen sein."

Unser erster Artikel zu Honis HErberge mit Fotos vor der Sanierung

AnkerVermietungsstart des Neubaus im Gästehaus am Park

Update vom 07.04.2022: Auf der Baustelle des Projektes Gästehaus am Park geht es gut voran. Im November 2021 stand der Rohbau des Neubaus auf dem Areal, im Februar 2022 verkündete die Lewo, dass in ebenjenem Neubau der Innenausbau begonnen habe, während das Mittelhaus aufgestockt werde und das Bestands-Hochhaus seinen Feinschliff erhalte.

Für den Neubau auf dem Gelände des Gästehauses am Park startete just die Vermietung. Copyright: Pierre Pawlik / IMMOCOM
Für den Neubau auf dem Gelände des Gästehauses am Park startete just die Vermietung. Copyright: Pierre Pawlik / IMMOCOM

Im April konnte Lewo nun vermelden, dass der Vermietungsstart für den Neubau begonnen habe. Die Wohnungen punkten demnach mit Terrasse, Balkon oder Loggia, Fußbodenheizung, Echtholz-Parkett, modernem Badezimmer mit Vollglas-Duschabtrennung, TV- und Internet-Anschluss in allen Wohnräumen, offener Küche, hellen Räumen, Außenjalousien, Videosprechanlage, Aufzug, Solarthermie und Hausmeisterservice. Für eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 50 Quadratmetern Wohnfläche werden um die 650 Euro, für eine Vier-Zimmer-Wohnung mit 106 Quadratmetern etwa 1.800 Euro Miete aufgerufen (Quelle).

Das Mittelhaus wird aufgestockt. Copyright: Pierre Pawlik / IMMOCOM
Das Mittelhaus wird aufgestockt. Copyright: Pierre Pawlik / IMMOCOM
Das Hochhaus erhält seinen Feinschliff. Copyright: Pierre Pawlik / IMMOCOM
Das Hochhaus erhält seinen Feinschliff. Copyright: Pierre Pawlik / IMMOCOM

Gästehaus am Park: Letzte Wohnungen übergeben

Update vom 15. September 2023: Wo sich einst die DDR-Staatsspitze mit hochrangigen Vertretern aus internationaler Politik und Wirtschaft traf, ist nun ein modernes Wohnensemble für Singles, Paare und Familien entstanden: Die LEWO Unternehmensgruppe hat das ehemalige, denkmalgeschützte DDR-Luxushotel „Gästehaus am Park“ am südlichen Rand des Leipziger Musikviertels zu Wohnzwecken saniert und um einen Neubau ergänzt. Die letzten der insgesamt 118 mietbaren Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen wurden heute während eines „Summer-Ending-Events“ in Anwesenheit von 200 geladenen Gästen offiziell an die Eigentümer übergeben.

Seit 2020 hat die LEWO das frühere „Gästehaus des Ministerrates und Politbüros der DDR“ – so der offizielle Name – behutsam revitalisiert und aufgestockt. Nach einem Entwurf des Büros homuth+trappe architekten errichtete der Leipziger Projektentwickler auf dem circa 10.350 Quadratmeter umfassenden Gesamtgrundstück zwischen Schwägrichen- und Karl-Tauchnitz-Straße außerdem eine Tiefgarage mit 98 Stellplätzen sowie im nordwestlichen Teil ein neues siebengeschossiges Mehrfamilienhaus.

Das restaurierte Heisig-Relief im Gästehaus am Park. Copyright: LEWO
Das restaurierte Heisig-Relief im Gästehaus am Park. Copyright: LEWO

Kunst am Bau: Heisig Relief und „transformation.futur“

Ein wesentliches Ziel der Projektumsetzung war die Verbindung von Tradition und Moderne. Sichtbares Zeugnis dafür ist neben der originalgetreuen Fassadengestaltung das sechs Meter lange Wandrelief, das der Leipziger Maler und Grafiker Bernhard Heisig (1925–2011) im Jahr 1969 in der 400 Quadratmeter großen Eingangshalle vollendet hatte. Professor Dr. Frank Zöllner vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig erklärt: „Das Gipsrelief im ehemaligen Gästehaus des Ministerrats der DDR in Leipzig ist das größte und ungewöhnlichste Werk von Bernhard Heisig, von dem man vor allem expressive Ölgemälde kennt – beispielsweise sein Porträt von Helmut Schmidt in der sogenannten Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt in Berlin. Es zeichnet sich durch eine bemerkenswert modernistische Formensprache aus.“

Die Restauratorin und Designerin Doreen Feja aus Torgau hat das Heisig-Relief in mühevoller Kleinstarbeit und enger Kooperation mit der unteren Denkmalpflege Leipzig gründlich gereinigt, von Graffiti befreit und aufwendig rekonstruiert. Sie sagt: „An so einem besonderen Projekt mitarbeiten zu dürfen, war eine tolle Herausforderung. Als unter den Graffiti langsam die historische Fassung zum Vorschein kam, war das sehr beeindruckend."

Blick in den Innenhof der sanierten Honi-Herberge. Im Hintergrund die Lichtskulpturen. Copyright: LEWO
Blick in den Innenhof der sanierten Honi-Herberge. Im Hintergrund die Lichtskulpturen. Copyright: LEWO

Anlässlich des „Summer-Ending-Events“ wurde auch das Kunst-am-Bau-Projekt „transformation.futur“ des lokalen Künstlers Kaeseberg präsentiert: Drei großformatige Lichtskulpturen zieren nun das als Treffpunkt der Bewohner dienende Foyer. Das Kunstwerk entstand in den Jahren 2019 bis 2023 als Auftragsarbeit der LEWO. „Die Installation versteht sich als aktuelle künstlerische Intervention in der original wiederhergestellten Eingangshalle dieses früheren Gästehauses des DDR-Ministerrates und tritt gleichzeitig als zeitgenössische künstlerische Position in den Dialog mit dem ebenfalls im Foyer befindlichen restaurierten Wandrelief des Künstlers Bernhard Heisig, welches schon der Kunstgeschichte zuzuordnen ist“, so Kaeseberg.

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