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Housing Action Day in Leipzig: Demos gegen steigende Mieten mit bitterem Nachgeschmack

Die stetig steigenden Mieten hatte das Aktionsbündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn zum Anlass genommen, europaweit zu einem neuerlichen Housing Action Day aufzurufen. Die entsprechenden Demonstrationen am 27. März 2021 verliefen in Leipzig zwar ruhig, doch bereits im Vorfeld hatten Unbekannte mehrere Transporter der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH in Brand gesteckt. Aus Protest gegen Mieterhöhungen in der Messestadt. Das ist passiert.

Die stetig steigenden Mieten hatte das Aktionsbündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn zum Anlass genommen, zu einem neuerlichen Housing Action Day aufzurufen. Dieser verlief in Leipzig zwar ruhig, wurde allerdings von einem Brandanschlag überschattet In Leipzig wurde gegen steigende Mieten demonstriert. Copyright: (links) falco auf Pixabay; (rechts) Aktionsbündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn
Von Redaktion Immobilien Aktuell Magazin / Pierre Pawlik, 30.03.2021

Die Mieten steigen immer weiter. Da nimmt es nicht viel Wunder, dass es die Menschen am 27. März 2021 zum „Housing Action Day“ auf die Straßen trieb. Der Aktionstag des 2019 ins Leben gerufenen „Aktionsbündnisses gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ stand unter dem Motto „Wohnen für Menschen statt für Profite“.

Aktionsbündnis ruft zum europaweiten „Housing Action Day“ auf

In über 75 europäischen Städten hatte das Aktionsbündnis zum Protest aufgerufen, darunter 25 deutsche Städte. Aus Corona-Gründen verteilten sich die Teilnehmer in Leipzig auf vier Areale: Am Connewitzer Kreuz, auf dem Neustädter Markt, in Plagwitz und im zentrumsnahen Musikviertel ging es um Themen wie Wohnungen für alle, Gentrifizierung, steigende Mieten, Luxussanierungen und spekulativen Leerstand.

Kommunales Wohnungsunternehmen LWB in der Kritik

Im Zentrum der Kritik: Die LWB. Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH verwaltet mehr als 35.300 Wohnungen und gehört damit zu den großen kommunalen Wohnungsgesellschaften in Deutschland. Diese hat im Leipziger Musikviertel trotz Corona-Lage eine Anhebung der Nettokaltmieten angekündigt – zum zweiten Mal innerhalb von 24 Monaten. Dies veranlasste eine neu gegründete Nachbarschaftsinitiative bereits zu einem Offenen Brief an die LWB. Doch auch außerhalb des betroffenen Musikviertels wurden kritische Stimmen laut. Hierbei wurde vor allem die mangelhafte Kommunikation der LWB mit ihren Mietern kritisiert.

Die LWB wehrte sich am 28. März 2021 gegen die Vorwürfe. Demnach würden die betroffenen Haushalte im Musikviertel Mieten zahlen, die noch immer ein Zehntel unter dem Leipziger Vergleichswert lägen. Auch bekräftigte LWB-Sprecherin Samira Sachse, dass die LWB bei Härtefällen Individuallösungen anzubieten bereit sei. Man müsse nur ins Gespräch kommen.

Anschlag auf LWB überschattet den Aktionstag gegen Gentrifizierung und steigende Mieten in Leipzig

Doch diese Argumente und Angebote kamen zu spät, denn zu diesem Zeitpunkt war der Schaden längst angerichtet. Ebenfalls am Tag nach dem „Housing Action Day“ wurde bekannt, dass Unbekannte in der Nacht zum 27. März 2021 im Leipziger Stadtteil Stötteritz einen Brandanschlag auf mehrere Transporter verübt hatten. Zwei weitere Fahrzeuge und ein angrenzendes mehrstöckiges Firmengebäude wurden bei dem Brand ebenfalls beschädigt.

Auf Indymedia.org tauchte ein anonymes Bekennerschreiben auf. In dem erklärten die Verfasser, dass sie den bundesweiten Housing Action Day als Anlass genommen hätten, um aus Protest gegen die Mieterhöhungen im Musikviertel einen Brand am Fuhrpark der LWB zu legen. Die Polizei ermittelt aktuell wegen Brandstiftung und prüft, ob die Soko Linx eingeschaltet werden muss.

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