Interview mit Gudrun Sack: So geht es weiter für das Projekt "Berlin TXL" am Flughafen Tegel

Interview mit Gudrun Sack: So geht es weiter für das Projekt "Berlin TXL" am Flughafen Tegel

Interview mit Gudrun Sack: So geht es weiter für das Projekt "Berlin TXL" am Flughafen Tegel
Gudrun Sack (Copyright: Jonas Maron) verantwortet Berlin TXL (Copyright: Tim Dinter)

In der Hauptstadt wird auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Tegel eines der größten Wohnviertel aus Holz in Europa geplant. Gefährden die gestiegenen Holzpreise das Projekt? IMOBILIEN AKTUELL hat mit Gudrun Sack, Geschäftsführerin der Tegel Projekt GmbH, über Holzbeschaffung und die aktuellen Herausforderungen am Standort gesprochen.

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Das Schumacher Quartier ist nicht gefährdet

Frau Sack, Ihr Kollege Philipp Bouteiller verlässt das Unternehmen, ab April übernehmen Sie deshalb die alleinige Geschäftsführung der Tegel Projekt GmbH. Sie stehen vor großen Herausforderungen. Auf dem ehemaligen Flughafen-Areal soll unter anderem eines der größten Wohnquartiere aus Holz - das Schumacher Quartier - in Europa entstehen mit über 5.000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen, aber die Holzpreise sind erheblich gestiegen. Für Fichtenholz lagen im November 2021 die Preise rund 52 Prozent höher als im Jahr zuvor. Ist das Projekt gefährdet?

Gudrun Sack: Nein, das Projekt ist nicht gefährdet. Und auch die Entwicklung des Holzpreises bereitet uns derzeit wenig Kopfzerbrechen, weil wir das Holz nicht auf dem Weltmarkt beziehen wollen. Der Vorteil der gegenwärtigen Krise ist, dass man sich wieder auf regionale Wirtschaftskreisläufe besinnt und das Holz nicht mehr aus dem Süden oder aus Sibirien holt. Wir wollen anders denken: Und die Zeit gibt uns, so schlimm es ist, absolut recht. Klimaneutral zu bauen, heißt nämlich auch, die Lieferwege kurz und den damit verbundenen CO2-Abdruck möglichst klein zu halten.

Daher macht es Sinn, wenn das Holz für das Schumacher Quartier aus der Region geholt wird. Das haben wir vor. Wir setzen auf die Kiefer und schaffen eine Win-Win-Situation, von der wir genauso profitieren wie die regionale Forstwirtschaft: Die in den Berliner und Brandenburger Wäldern weit verbreitete Kiefernmonokultur ist anfällig für Schädlinge und muss dringend klimaresilient umgebaut werden. Das wird befördert, indem wir einen Teil der Kiefern rausholen und Laubbäume nachpflanzen. Da haben wir unser Holz für unser Quartier. Wir bekommen den Baustoff kostengünstig und auf kurzen Wegen aus dem Umland und bauen die Wälder gleichzeitig sinnvoll um.

Das heißt, das heimische Holz wird nicht zu den üblichen Weltmarktpreisen gekauft?

Gudrun Sack: Wir nehmen landeseigenes Holz für landeseigene Wohnungsbaugesellschaften. Das geht natürlich nicht für den freien Markt. Wir sind derzeit auch in Kontakt mit Holzfirmen aus der Region, um die Prozessketten aufzustellen. Wir haben die Firmen im Umkreis von 300 Kilometern um Berlin erfasst. Da haben sich schon viele angesiedelt und siedeln sich noch an. Erste Gespräche laufen, Verträge sind aber noch nicht abgeschlossen. Wir hoffen, bis Ende des Jahres die Akteure beieinander zu haben, damit wir dann zügig loslegen können.


 

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Schumacher Quartier als Modellquartier

Wie steht es um das Projekt der Bauhütte 4.0 auf dem Flughafen-Areal als Grundlage für das effiziente Bauen mit Holz? Eine Kette von der Forschung über die Entwicklung bis zur Produktion war in Tegel angedacht.

Gudrun Sack: Die Holzbauhütte ist nicht als eine große Fabrik vor Ort zu verstehen. Wir sind mit allen Playern in Kontakt, die die Wertschöpfungskette darstellen können, schreiben die Aufträge aus und siedeln vor Ort zusätzlich Akteure an, also holzverarbeitende Firmen. Das Terminal C bietet Platz für ein Laboratorium, wo innovative Baumaterialien und Prozesse im Fokus stehen und auch Veranstaltungen und Weiterbildungen zu diesen Themen stattfinden können. Denn wir wollen ein Modellquartier werden, auch für andere Städte der Welt. Das heißt nicht, dass überall mit Kiefer gebaut oder Energie über ein Low-Exergie-Netz bereitgestellt werden muss, aber dass die Ideen und die Prozesse übertragbar sein können.

Die Urban Tech Republic nimmt Forman an

Für den Forschungs- und Industriepark Urban Tech Republic, den Sie ebenfalls auf dem früheren Flughafen planen, ist inzwischen ein Meilenstein geschafft und unter anderem der Bebauungsplan für den Campus West festgesetzt. Er umfasst den Kernbereich mit den Terminals A, B und D, die Frachthallen sowie den Tower. Damit ist die Voraussetzung für den Umbau von Terminal A zum neuen Campus der Berliner Hochschule für Technik und Terminal B zum Kongress- und Start-Up-Center geschaffen. Wie geht es jetzt weiter?

Gudrun Sack: Im Augenblick werden die Terminals A und B für die Betreuung Geflüchteter genutzt. Wir stellen hier Platz für bis zu 3.000 Menschen aus der Ukraine zur Verfügung und sind sehr stolz, dass wir das in guter Zusammenarbeit und in Windeseile geschafft haben. Unsere Arbeiten bleiben hierdurch weitestgehend unberührt und die Planungen für das Schumacher Quartier und die Urban Tech Republic gehen weiter voran.

So beginnt etwa in den nächsten Wochen die öffentliche Auslegung der Baupläne für den ersten Bauabschnitt des Schumacher Quartiers und den Bildungscampus. Und wir freuen uns, inzwischen auch erste technologieorientierte Firmen auf dem Areal zu haben, wie Vay Technology und EasyMile, die sich mit Lösungen für autonomes Fahren befassen. Am Standort sind damit bereits 500 neue Arbeitsplätze entstanden.

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