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Großinvestor steigt in Leipzigs größte Quartiersentwicklung am Eutritzscher Freiladebahnhof ein

Der Masterplan für das Leipziger Quartier Eutritzscher Freiladebahnhof wurde abgesegnet! Damit hat das größte Entwicklungsprojekt im Osten Deutschlands einen Meilenstein erreicht. Bei einer Pressekonferenz zu der Entscheidung bekennt sich Eigentümer IMFARR zu Projekt und Standort und geht von einem Baustart in 2022 aus. Im April 2021 stieg ein bekannter Großinvestor in das Projekt ein...

Am Eutritzscher Freiladebahnhof sollen neben 2.400 Wohnungen für 3.700 Menschen auch Büroflächen, Kitas, Schulen und große Grünflächen entstehen. Ab 2022 sollen die Bauarbeiten beginnen. Ein neuer Großinvestor unterstützt das Projekt. Auf dieser Brache entsteht die größte Quartiersentwicklung Leipzigs. Quelle: IMMOCOM
Von Redaktion Immobilien Aktuell Magazin / Ivette Wagner, 22.04.2021

„Wir waren vor 14 Monaten bei einer Pressekonferenz und haben ganz klar gesagt, dass wir nach Leipzig gekommen sind, um zu bleiben“, wiederholte Nematollah Farrokhnia, Investor und Eigentümer des Eutritzscher Freiladebahnhofes. Nun hat der Leipziger Stadtrat am 24. November 2020 über den Fortgang der Quartiersentwicklung entschieden. „Es freut mich sehr, dass es keine Gegenstimme gab“, so Nematollah Farrokhnia weiter. „Wir werden versuchen, die zwölf Stadträte, die sich enthalten haben, in der Zukunft zu überzeugen.“Der Eutritzscher Freiladebahnhof mit weißer Winterpracht. Copyright: IMMOCOM

Meilenstein für Quartier Eutritzscher Freiladebahnhof

Die entsprechende Vorlage, die votiert wurde, umfasst einen umfangreichen Sachstandsbericht, der die verschiedenen vom Stadtrat in Auftrag gegebenen Prüfergebnisse detailliert auflistet. Zudem legte die Entscheidung für den Masterplan die Grundlage für die Weiterführung des Bauleitplanverfahrens. „Es ist ein sehr besonderes Projekt“, so Baubürgermeister Thomas Dienberg in der Pressekonferenz anlässlich der Stadtratssitzung.

Er nannte die Entscheidung einen Meilenstein, verschiedene Interessenlagen seien zu einem „guten Ausgleich gebracht worden“. Er skizzierte kurz die Bedingungen des Stadtrates: die Risiken des Vorhabenträgerwechsels klar benennen, vielfältige Konzepte zu unterschiedlichen Themen wie Ökologie vorlegen, die Umsetzung der kooperativen Baulandentwicklung, die Fortführung der Öffentlichkeits- und Bürgerbeteiligung. Zudem gab es Ergänzungen zu Vertragsstrafen, die fällig werden, wenn Rahmentermine nicht gehalten und/oder Teil- und Gesamtkündigungen vorkommen.

Nematollah Farrokhnia bei der Online-Pressekonferenz zum Eutritzscher Freiladebahnhof. Quelle: IMFARRGewaltige Dimensionen: Leipzigs größte Quartiersentwicklung soll 3.700 Menschen beherbergen

Auf dem rund 25 Hektar großen Gelände an Eutritzscher und Delitzscher Straße soll in wahrscheinlich vier Bauabschnitten das größte neue innerstädtische Quartier Leipzigs mit bis zu 2.400 Wohnungen für etwa 3.700 Menschen entwickelt werden. Vorgesehen sind des Weiteren nicht nur 96.000 Quadratmeter Büroflächen und ein großzügiger Park, sondern auch ein Schul- und Sportcampus mit einer vierzügigen Grundschule sowie eine fünfzügige Oberschule, zwei Kitas mit jeweils 165 Plätzen und kulturell-soziale Einrichtungen.

„Die Grundstücke dafür wird die Stadt von IMFARR übernehmen. Es starten dann die üblichen Vergabeprozesse, wie an allen anderen Standorten auch“, so Thomas Dienberg. Auf etwa 30 Prozent der Wohnfläche sollen miet- und belegungsgebundene Wohnungen entstehen. Aufgrund der zentrumsnahen Lage ist der neue Stadtteil zudem als autoreduziertes Quartier konzipiert.

Der weitere Fahrplan am Eutritzscher Freiladebahnhof steht

Die Erschließungsplanung des Projektes läuft bereits, der Offenlagebeschluss wird bis Mitte 2021 und der Satzungsbeschluss bis Ende 2021 angestrebt, im ersten Quartal 2022 sollen die Bauarbeiten starten. „Das sind sehr ambitionierte Ziele“, so Nematollah Farrokhnia. „Wenn aber alle die 100 Meter in zehn Sekunden laufen, schaffen wir das. Wir wollen gemeinsam ein Ziel erreichen, dazu sind wir der Stadt in den vergangenen Wochen auch entgegengekommen, denn wir wissen, dass das zu einer Partnerschaft dazu gehört.“

Die denkmalgeschützten Gebäude des Lokschuppens und des Ladeschuppens werden saniert und stehen für kulturelle Nutzungen zur Verfügung. Aktuelle Mietverhältnisse, wie das des TV Clubs werden so lange wie möglich aufrechterhalten und danach bei der Umsiedelung in neue Objekte inhaltlich, wie auch finanziell unterstützt.

IMFARR ist gekommen, um zu bleibenHeute ist die gewaltige Fläche um den Eutritzscher Freiladebahnhof eine Brache. Quelle: IMMOCOM

Spekulationen über einen Weiterverkauf trat der Eigentümer klar entgegen: „Der Verkauf der Gesamtfläche ist im städtebaulichen Vertrag ausgeschlossen“, so Jürgen Wöss, Head of Corporate and Project Finance von IMFARR. „Wir befinden uns ab sofort in Abstimmung mit der Verwaltung, um alle notwendigen Aufgaben und folgenden Tätigkeiten zu besprechen." „Wir danken der Verwaltung und besonders Oberbürgermeister Burkhard Jung außerordentlich für die sehr guten Gespräche, auch wenn diese manchmal kontrovers waren“, so Nematollah Farrokhnia.

Fragen zu den zu erwartenden Mieten beantworteten der Baubürgermeister und IMFARR: „Ich bin mir sicher, dass keine Wohnung frei bleiben wird. Wir werden darauf achten, dass die Wohnungen für die Leipziger erschwinglich sind“, so Thomas Dienberg. Jürgen Wöss sagte: „Wir werden uns mit den Mieten dort bewegen, wo sich der Markt bewegt.“ Prinzipiell sei dafür eine ordentliche Budgetierung sowie eine Beobachtung der aktuellen Lage notwendig.

Der Weg zur größten Leipziger Quartiersentwicklung

Ausgangspunkt für den Masterplan war der Entwurf des Planungsteams Octagon Architekturkollektiv, Leipzig, und Atelier Loidl, Berlin, der im August 2017 als Sieger aus einem städtebaulichen Werkstattverfahren hervorging. Dieses Konzept war unter Beteiligung der Öffentlichkeit sowie nach städtebaulichen und verkehrsplanerischen Aspekten weiterentwickelt worden.

In der zeitlichen Umsetzung des Großprojektes hatte es mehrfach Verzögerungen gegeben, die unter anderem auf Eigentümerwechsel zurückzuführen waren. Nach dem Verkauf des Areals von der CG Gruppe AG an die Leipzig 416 im Oktober 2019 begannen unverzüglich die Verhandlungen mit dem neuen Vorhabenträger. Einer der kompliziertesten Themenkomplexe war dabei die Sicherung von Erwerbs- und Ankaufsrechten, beispielsweise für öffentliche Straßen, Wege und Grünflächen, aber auch für Schulen, Kitas und Kultureinrichtungen, zugunsten der Stadt.

Großinvestor steigt in das Projekt am Eutritzscher Freiladebahnhof ein

Update vom 16.4.2020: Die Wiener IMFARR hat 50 Prozent der Finanzierungsgesellschaft Virtus 26 Beteiligungs-GmbH für den Eutritzscher Freiladebahnhof verkauft. Wie die Leipziger Lokalpresse berichtet, seien weder Teile des Grundstückes noch Anteile am Vorhabenträger L 416 verkauft worden. Käufer ist die in Zürich beheimatete SN Beteiligungen Holding, eine Gesellschaft der Norbert-Ketterer-Gruppe. IMFARR und die SN Beteiligungen Holding agierten bereits gemeinsam beim Kauf des "NEO Areals der Nestlé Deutschland AG" in Frankfurt am Main, nachdem sie kurz zuvor beim Frankfurter "Silberturm" gemeinsam zugeschlagen hatten.  Der Stuttgarter Norbert Ketterer ist in der Messestadt kein Unbekannter. Mit seinen Firmen sanierte er einige Leipziger Häuser,  kaufte kommunale Wohnungen und hielt einige Zeit die Hauptpost am Augustusplatz sowie das Schloss Brandis.

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