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Pankower Tor: Bürger favorisieren „Ein lebendiges Quartier mit Zukunft“

Ein neues Stadtquartier mit 2.000 Wohnungen soll das Pankower Tor werden. Doch das Projekt der Krieger Handel SE auf der Brache des ehemaligen Rangierbahnhofes Pankow ist seit Jahren umkämpft. Nun waren die Bürger aufgefordert, sechs Entwürfe zu kommentieren. Den Sieger wird eine Jury Mitte Juni präsentieren.

Beim umkämpften Projekt der Krieger Handel SE auf der Brache des ehemaligen Rangierbahnhofes Pankow waren die Bürger aufgefordert, sechs Entwürfe zu kommentieren. Den Sieger wird eine Jury Mitte Juni präsentieren.
Von Mara Kaemmel, 17.05.2021

Um das Pankower Tor in Berlin wird seit elf Jahren heftig gerungen. Was auf dem Areal des ehemaligen Rangierbahnhofes Pankow gebaut werden soll, darüber sind sich der Investor Kurt Krieger, der Stadtbezirk Pankow und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung inzwischen einig:  ein neues Stadtquartier mit 2.000 Wohnungen. Doch wie wird es konkret aussehen? Das soll im Rahmen eines Wettbewerbes geklärt werden. Sechs Planvarianten stehen zur Wahl. Die Bürger konnten in einem Workshop-Verfahren die Entwürfe kommentieren und bewerten. Rund 200 Interessierte nahmen an einem digitalen Bürgerforum teil. Insgesamt gingen mehr als 600 Kommentare ein. Der Entwurf „Ein lebendiges Quartier mit Zukunft“ von NÖFER ARCHITEKTEN erhielt die höchste Bewertung mit vier von fünf möglichen Punkten. 

Die Hinweise aus dem Bürgerfeedback wurden inzwischen an alle sechs Planerteams weitergeleitet, damit sie ihre Konzepte anpassen und bis Ende April der Jury die überarbeiteten Entwürfe vorlegen können. Die Masterplanentwürfe werden im Mai von Sachverständigen geprüft, von der Jury bewertet und der Sieger dann Mitte Juni präsentiert.

Preiswerte Wohnungen im neuen Kiez "Pankower Tor"

Diese Brache soll zum Pankower Tor werden. Copyright: Fa. KriegerPer Video zum Beteiligungsverfahren hatte der Bezirksbürgermeister Sören Benn noch einmal erklärt, worum es geht: „Auf dem ehemaligen Rangierbahnhof zwischen Pankow-Zentrum und Pankow-Süd wollen wir einen neuen Kiez errichten, einen neuen Stadtteil bauen – mit vielen preiswerten Wohnungen, mit öffentlichen Einrichtungen, mit Einkaufsmöglichkeiten und viel Grün.“ Einen Schwerpunkt bildet das Mobilitätskonzept. „In dem neuen Stadtteil können wir zeigen, dass Großstadt ohne viele Autos geht.“ Und der Baustadtrat Vollrad Kuhn betonte: „Das ist eines der wichtigsten Pankower Vorhaben.“

Der ehemalige Rangierbahnhof Pankow wurde 1996 stillgelegt, das rund 40 Hektar große Areal entlang der S-Bahngleise 2010 vom Möbelhändler Kurt Krieger erworben. Diskussionen um die städtebauliche Entwicklung und den Denkmalschutz der Lokschuppen folgten, 2018 wurde eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet. Zu Beginn des Workshop-Verfahrens Ende vergangenen Jahres erklärte Kurt Krieger erleichtert: „Wir kommen einen großen Schritt voran.“

Neue Straßenbahnlinie zwischen Pankow und Weißensee

Die Teams erhielten konkrete Vorgaben für ihre Entwürfe: Kein Durchgangsverkehr, ein Radschnellweg entlang der Bahntrasse und ein neuer Platz mit Aufenthaltsqualität am S- und U-Bahnhof Pankow an der Kreuzung Berliner Straße/Granitzstraße. Eine neue Straßenbahnlinie zwischen Pankow und Weißensee soll als Teil des Projektes bis zur Prenzlauer Allee führen.

Entwürfe sind eingereicht worden von den Teams um Allmann Sattler Wappner Architekten, 03 Architekten, Astoc Architects and Planners, Tchoban Voss Architekten, NÖFER ARCHITEKTEN und blocher partners. In der Bürgerbefragung wurde das Konzept „Ein lebendiges Quartier mit Zukunft“ von NÖFER ARCHITEKTEN am besten bewertet. Es zeichnet sich aus durch ein Wohnquartier mit Blockbauten in Berliner Tradition an einem großen Park. Zwei Hochhäuser setzen markante Punkte: Sie zeigen, dass hier etwas Neues entstanden ist. 

Der Nutzungsplan von den verantwortlichen Architekten. Copyright: NÖFER ARCHITEKTEN

Ein Nutzungsplanentwurf der verantwortlichen Architekten. Ein Klick aufs Bild öffnet den gesamten Plan. Copyright: NÖFER ARCHITEKTEN

Denn die These von Tobias Nöfer lautet: „Wir können eine urbane und schöne Stadt neu bauen.“ Ziel sei es, etwas zu entwickeln, dass sich einfüge, aber auch etwas Besonderes habe. Für ihn sei das Pankower Tor wie der Klebstoff zwischen zwei gewachsenen Quartieren, von beiden Richtungen werde der neue Kiez erlebbar sein. Das Nöfer-Konzept sieht außerdem Läden vor, eine Bibliothek, zwei Kindertagesstätten, eine Schule und damit kurze Wege im Quartier. Der Verkehr wird reduziert, indem von den umliegenden Straßen die Zufahrt zu den Tiefgaragen möglich und damit Verkehr im Quartier kaum nötig ist. Ein Teilstück des geplanten, insgesamt 18 Kilometer langen Fahrradschnellwegs Panke Trail wurde integriert. Es soll vom Norden Pankows bis in die City führen.

Kurt Krieger und das Pankower Tor

Insgesamt 174 Teilnehmer kommentierten dieses Konzept online – die meisten mit positivem Tenor. So schrieb einer von ihnen: „Mir gefällt das Verkehrskonzept, das den Autoverkehr so weit wie möglich draußen hält.  Sehr schön die Idee, den Panke-Trail nicht einfach platt an der Bahntrasse zu führen, sondern ins Gebiet zu integrieren. Mir gefällt auch diese Lösung der geschützten Parkanlage abseits vom Autoverkehr und am Durchschlupf nach Norden“.  Ein anderer lobte: „Positiv an diesem Entwurf ist eine breitere, zusammenhängende Grünfläche mit Höhenunterschieden. Wir leben in einer platten Stadt – und brauchen Ausblicke!“

Mit Spannung erwartet der Investor Kurt Krieger, der in Pankow aufgewachsen ist, den Ausgang des Verfahrens. „Als Pankower möchte ich erleben, wie der Platz an der Berliner Straße fertig wird.“ Doch wann das sein wird, steht noch nicht fest. Die Arbeit am Bebauungsplan läuft parallel und wird auf Grundlage der Ergebnisse des Wettbewerbs fortgeführt.

Aufmacherfoto: Ein Entwurf für das Stadtquartier Pankower Tor. Copyright: NÖFER ARCHITEKTEN

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