Spannende Umfrage: Realität und Wahrnehmung beim Homeoffice klaffen weit auseinander

Spannende Umfrage: Realität und Wahrnehmung beim Homeoffice klaffen weit auseinander

Spannende Umfrage: Realität und Wahrnehmung beim Homeoffice klaffen weit auseinander
Es ist nicht alles eitel Sonnenschein im Homeoffice. Copyright: Bella H. auf Pixabay

Ob Menschen im Homeoffice erfolgreich arbeiten können, hängt weniger vom Job selbst als von ihrer Wohnsituation ab. Das ist ein Ergebnis einer Befragung, mit der Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der TU Darmstadt die Chancen und Risiken des Homeoffice untersuchten. Soviel ist sicher: Das Büro hat längst nicht ausgedient.

Mit dem ersten Lockdown der Corona-Pandemie rückte das Phänomen Homeoffice in den Blick der Öffentlichkeit. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre der TU Darmstadt begannen mit Unterstützung des Fachgebiets Marketing und Personalmanagement unmittelbar nach Beginn des Lockdowns mit einer breit angelegten Befragung unter Büroarbeitenden in Deutschland. Wie und wo wird zu Hause gearbeitet? Wie nehmen Beschäftigte die Arbeit zu Hause wahr? Wie produktiv ist die Arbeit im Homeoffice und was entscheidet über deren Erfolg? Diesen Fragen ging das Forschungsteam nach. Die Längsschnittstudie lief in drei Wellen im Juni, August und Oktober 2020 ab. Bis zu 952 Beschäftigte beteiligten sich an den drei Befragungswellen, die Zusammensetzung des Panels repräsentiert weitgehend die Bürobeschäftigten in Deutschland.

Homeoffice: Weniger produktiv, weniger schlagkräftig und verbreiteter als angenommen

Die Ergebnisse der Studie ergeben ein differenziertes Bild. Sie zeigen: Die Realität der Arbeit von daheim und deren Wahrnehmung in der Gesellschaft klaffen weit auseinander. Bereits vor der Pandemie arbeiteten mehr Menschen im Homeoffice als angenommen - 20 bis 30 Prozent der Arbeitszeit wurden bereits vor Corona im Homeoffice absolviert. Hier scheint es eine bislang unterschätzte Dunkelziffer zu geben. Und: Wissensarbeit lässt sich weit weniger umfangreich von zu Hause erledigen als zumeist unterstellt. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten gab zudem an, zu Hause weniger produktiv zu arbeiten als im Büro. Dagegen gab über die Hälfte der Befragten (58 Prozent) an, die Arbeitsleistung von zu Hause im Vergleich zum Büro eher zu steigern. Aber: Für 51 Prozent der Beschäftigten ist der Arbeitsaufwand höher als im Büro. Je mehr Erfahrungen die Befragten über das Jahr 2020 hinweg mit dem Homeoffice sammeln konnten, desto deutlicher wurde dies. 

Erfolgreiches Homeoffice hängt direkt von der Wohnsituation ab

Die Studie legt nahe, dass der wichtigste Grund dafür im Arbeitsort liegt. „Wie Leute wohnen, sagt viel darüber aus, ob sie erfolgreich von zu Hause aus arbeiten können“, sagt Professor Andreas Pfnür, der Leiter des Fachgebiets Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre. Die Studie ergab, dass die Wohnsituation der wichtigste Faktor ist, wenn Unternehmen entscheiden sollen, welche ihrer Mitarbeitenden im Homeoffice erfolgreich tätig werden könnten. „Die Wohnsituation ist aussagekräftiger als die Art des Jobs oder die Zahl der Kinder“, sagt Pfnür. „Das hatten wir so nicht erwartet.“ Je zufriedener Befragungsteilnehmer mit ihrer Wohnsituation, der Lage und der Ausstattung der Wohnung waren, desto zufriedener und produktiver waren sie im Homeoffice.

Neben einer guten Wohnsituation identifizierten die Forschenden weitere Faktoren, die das Homeoffice begünstigen. Vor allem komplexe, vielseitige Aufgaben und höhere Autonomie gingen mit Arbeitserfolg im Homeoffice einher. Ältere, besserverdienende und beruflich erfahrene Beschäftigte arbeiteten erfolgreicher, ebenso Vollzeitkräfte im Vergleich zu Teilzeitkräften. Singles taten sich offensichtlich im Homeoffice besonders schwer. Hier spielten Isolation, aber auch die berufliche Entwicklung eine Rolle. „Die direkte soziale Interaktion mit Kollegen, die Möglichkeit, von Älteren zu lernen und Karrierechancen sind im Homeoffice weniger stark ausgeprägt“, sagt Pfnür. „Entsprechend fällt für junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Stück Identifikation mit dem Job weg. Das sorgt auch für geringere Zufriedenheit mit dem Leben.“

Büroarbeit lässt sich nicht beliebig ins Zuhause outsourcen

Die Studie zeigt, dass Büroarbeit sich nicht beliebig nach Hause outsourcen lässt und dass klassische Büros weiterhin Bestand haben werden. Richtig genutzt und unter den richtigen Voraussetzungen – etwa bessere Infrastruktur und freiwillige Entscheidung für das Homeoffice - biete Arbeit von zu Hause jedoch zahlreiche Chancen, den Arbeitserfolg von Individuen zukünftig weiter zu verbessern. Aber: „Ohne einen aktiven Change-Prozess drohen die Risiken des Work from Home, die die empirischen Daten unserer Studie offenbaren, überhand zu nehmen“, so Pfnür.

Homeoffice hat Potential, die Gesellschaft zu spalten

Eine Homeoffice-basierte Arbeitswelt könne soziale Verwerfungen nach sich ziehen, wenn die öffentliche Hand und Arbeitgeber nicht gegensteuerten. „Homeoffice bereitet den Weg aller Bürobeschäftigten in eine Zweiklassengesellschaft“, so Pfnür. Auf der einen Seite stünden Beschäftigte, die umfangreich zu Hause arbeiten könnten, weil sie es sich dort in Komfort gut gehen lassen könnten oder weil ihre Jobs entsprechend attraktiv wären. Auf der anderen stünden Personen, die in schlechteren Verhältnissen im Homeoffice wenig erfolgreich wären oder unter den Mehrkosten der Arbeit von daheim (Im Durchschnitt ergaben sich 46 Euro Mehrkosten pro Monat und damit mehr, als vom Finanzamt bislang an Aufwendungen anerkannt werden) zu leiden hätten. „Homeoffice ist damit auf dem Weg zu einem Statussymbol für die Gewinner der neuen Arbeitswelten.“

Die Wahrnehmung der Heimarbeit

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