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Auswirkungen des Mietendeckels in Berlin

Mietendeckel drückt Mietpreise und erschwert Findung von Mietwohnungen +++ Mietendeckel spaltet den Berliner Markt +++ Mieten in Berlin gehen zurück +++ Mietendeckel lässt Berliner Premiumimmobilienmarkt kalt +++ Unsicherheit wegen Mietendeckel: Vermieter halten Studentenwohnungen zurück +++ Mietendeckel bremst Mieten bei Bestandswohnungen, dafür gehen Neubau-Mieten hoch +++ Ehemalige Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt +++ Das sagt die Bevölkerung zu Mietendeckel und Co.

Analyse bestätigt gedämpfte Preise im Berliner Mietwohnungsmarkt. Aber: Die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen erschwert die Wohnungsfindung deutlich. Ersten Zahlen rund um den Berliner Mietendeckel lassen aufhorchen. Copyright: melancholiaphotography auf Pixabay
Von Redaktion Immobilien Aktuell Magazin / Pierre Pawlik / Pressemitteilung Immobilien Scout GmbH, 17.06.2020

Der Mietendeckel ist Gesetz. Für fünf Jahre werden die Berliner Mieten eingefroren. Eine Baualterstabelle legt zukünftig fest, welche Mietpreise Berliner Vermieter je nach Fertigstellungsdatum des Wohngebäudes, Ausstattung, Lage und Modernisierungsstand maximal verlangen dürfen. Wir sammeln für Sie an dieser Stelle die Auswirkungen des neuen Gesetzes.


Mietendeckel dämpft Mietpreise und erschwert Findung von Mietwohnungen


17.06.2020: Der Stichtag der Einführung des Mietendeckels jährt sich zum ersten Mal. Eine aktuelle Datenanalyse von ImmoScout24 zeigt, dass seit Anfang Juli 2019 verstärkt Eigentumswohnungen zum Kauf angeboten werden und das Angebot von Mietwohnungen gleichzeitig sinkt. Im Vergleich zu allen anderen Großstädten hat der Mietendeckel dazu geführt, dass die Mietpreise weitgehend stabil bleiben und in einigen Bezirken sogar leicht gesunken sind.

Wohnungsverkauf attraktiver als Vermietung

Innerhalb eines Jahres stieg das Gesamtangebot an Wohnungen als Eigentum auf Deutschlands größtem Immobilien-Marktplatz um 20 Prozent. Das Angebot an Eigentumswohnungen mit Fertigstellung vor 2014 stieg sogar um 37 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich das Gesamtangebot an Mietwohnungen um 28 Prozent. Dieser Effekt wird fast vollständig durch Mietwohnungen, die vor 2014 gebaut wurden, hervorgerufen. So ist das Angebot in diesem Segment seit einem Jahr um 44 Prozent gesunken, während Neubauten auf ImmoScout24 mit einem Plus von 18 Prozent verstärkt angeboten werden (KW 25 / 2019 zu KW 23 / 2020). In der Folge ist der Nachfragedruck auf die verbleibenden Mietangebote angestiegen. ImmoScout24 registrierte einen Anstieg der Kontaktanfragen pro Inserat um 231 Prozent von KW 25 in 2019 auf KW 23 in 2020.

In Berlin Eine Mietwohnung zu finden, ist schwerer denn je

„Das Gesamtangebot an preiswertem Wohnraum hat sich für Wohnungssuchende in Berlin durch den Mietendeckel verringert. Die Angebotsschere zwischen Mietwohnungen und Verkaufswohnungen geht in Berlin immer weiter auseinander und führt zu einem noch höheren Nachfragedruck, vor allem für Bestandswohnungen. Eine Mietwohnung in Berlin zu finden, ist schwerer denn je“, resümiert Dr. Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmoScout24. Und weiter: „Der Berliner Mietendeckel kann das strukturelle Problem nicht lösen. Menschen wollen weiterhin nach Berlin ziehen, der Nachfrage-Überhang bleibt bestehen. Anstatt mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, hat der Berliner Senat dem verfügbaren Wohnraum einen Deckel aufgesetzt. Das hat dazu geführt, dass für viele Eigentümer der Verkauf als Eigentumswohnung offensichtlich attraktiver geworden ist als die Vermietung. Das Mietangebot reduziert sich dadurch nur noch weiter.“

Angebotsmieten für Mietendeckel-relevante Wohnungen sinken leicht

Erstmals seit Jahren sanken die Angebotsmieten für vom Mietendeckel betroffenen Wohnungen mit Fertigstellung vor 2014. Innerhalb eines Jahres sanken diese um knapp zwei Prozent, von durchschnittlich 12,90 Euro im Mai 2019 auf 12,66 Euro pro Quadratmeter im Mai 2020. Damit dämpft der Mietendeckel die Mietpreissteigerungen erstmals. Im Vergleich dazu sind die Neubau-Mieten mit Baujahr nach 2014 von Mai 2019 bis Mai 2020 um 7,5 Prozent von durchschnittlich 16,92 Euro auf 18,19 Euro pro Quadratmeter gestiegen.


Mietendeckel spaltet den Berliner Markt


10.06.2020: Die Angebotsmieten der vom Mietendeckel betroffenen Wohnungen (Baujahr vor 2014) sind innerhalb eines Jahres um acht Prozent gesunken. Vor einem Jahr wurden für den Quadratmeter noch im Median elf Euro verlangt, aktuell sind es 10,10 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von immowelt. Dafür wurden die Angebotsmieten in Berlin und seinen Bezirken von Januar bis Mai 2020 mit dem Vorjahreszeitraum verglichen. Im gleichen Zeitraum haben sich die Preise von nicht regulierten Wohnungen, also Neubauten mit einem Baujahr ab 2014, um 17 Prozent erhöht.

 „Unsere Befürchtungen haben sich leider bewahrheitet: Der Mietendeckel verschärft das Auseinanderdriften am Wohnungsmarkt weiter. Das zeigt das deutlich stärker steigende Mietpreisniveau bei nicht regulierten Neubauten“, sagt Prof. Dr. Cai-Nicolas Ziegler, CEO der immowelt AG. „Zusätzlich führt der Mietendeckel dazu, dass viele Mietobjekte aufgrund der zu geringen Rentabilität zum Verkauf angeboten werden und somit dem Mietmarkt entzogen werden. Die Politik sollte sich daher vielmehr auf die Schaffung von gefördertem Wohnraum konzentrieren, statt viele private Vermieter in finanzielle Nöte zu bringen.“

 


Mieten in Berlin gehen zurück


01.06.2020: Die Corona-Krise macht der Wirtschaft schwer zu schaffen, Kurzarbeit und Lohnausfälle sind weit verbreitet. Bei den Mieten zeigt die Richtung aber weiterhin nach oben. In den deutschen Großstädten klettern die Angebotspreise von Ende 2019 auf Anfang 2020 um bis zu 12 Prozent. Ein besonderer Sonderfall ist Berlin, wie eine Analyse von immowelt zeigt, in der die Angebotsmieten von Bestandswohnungen (40 bis 120 Quadratmeter, Baujahr 2016 oder älter) in den letzten vier Monaten 2019 mit den ersten vier Monaten 2020 verglichen wurden.

Von den Steigerungen sind keineswegs nur kleinere Städte mit bislang günstig Mieten betroffen. Auch in den teuersten Großstädten und Metropolen wird Wohnen teurer. München weist eine Steigerung von vier Prozent auf. Inzwischen kostet die Miete einer Bestandswohnung im Median 17,30 Euro pro Quadratmeter – so viel wie in keiner anderen Großstadt. Selbst die hochpreisige Finanzmetropole Frankfurt liegt mit 13,60 Euro deutlich dahinter. Auch dort klettern die Mieten in den letzten Monaten um fünf Prozent. Ähnliche Steigerungen konnten auch in Hamburg (+ vier Prozent) und Düsseldorf (+ fünf Prozent) festgestellt werden.

Sonderfall Berlin: In der Hauptstadt sinken die Mieten

Eine der wenigen Städte mit sinkenden Mieten ist Berlin. Von 10,70 Euro Ende 2019 auf aktuell 10,20 Euro pro Quadratmeter sind die Angebotsmieten zurückgegangen – das entspricht einem Minus von fünf Prozent. Großen Anteil am Rückgang hat der Mietendeckel, der seit Ende Februar gilt. Demnach werden die Mieten von Bestandsimmobilien (Baujahr vor 2014) für fünf Jahre eingefroren. Gleichzeitig gelten Mietobergrenzen, deren Höhe von Baujahr, Lage und Ausstattung abhängt. Maßstab hierfür ist das Preisniveau des aktuellen Berliner Mietenspiegels. 

 


Mietendeckel verfehlt gewünschte Effekte


08.05.2020: Eine Analyse von ImmoScout24  legt nahe, dass der Mietendeckel nicht wie gewünscht funktioniert. Demnach liegen zum Stichtag 30. April mit 91,4 Prozent weiterhin fast alle der in Berlin angebotenen Bestandswohnungen über den Obergrenzen des durch die Normenkontrollklage in Frage gestellten Berliner Mietobergrenzengesetzes. Das Angebot an Mietendeckel-konformen Mietwohnungen stagniert auf einem sehr niedrigen Niveau. Damit stellen sich auch zwei Monate nach Inkrafttreten des Berliner Mietendeckels nicht die gewünschten Effekte der Berliner Regierung ein, mehr preiswerten Wohnraum zu schaffen.

"Gut neun von zehn der angebotenen Berliner Bestandswohnungen liegen über dem Mietendeckel. Das kommt verstärkt durch ein sogenanntes "Zwei-Mieten-Modell" zustande. Scheinbar geben Vermieter vermehrt zwei Mietpreise in den Inseraten an. Zum einen die Miete, welche auf dem Markt ohne Mietendeckel verlangt werden würde und im Freitext eine geringere 'Mietendeckel-konforme' Miethöhe", sagt Dr. Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmoScout24. "Die Vermieter begegnen auf diese Weise der Rechtsunsicherheit im Hinblick auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, ob das Mietendeckelgesetz für verfassungskonform erklärt wird oder nicht."

Das Wohnungsangebot über den gültigen Obergrenzen des Mietendeckels hat seit dem 20. Februar 2020 (kurz vor Inkrafttreten des Mietendeckels) bis zum 30. April um 41,9 Prozent abgenommen. Vermieter entfernten demnach einen Teil, der bisher über den zulässigen Obergrenzen angebotenen Objekte aus dem Angebotsbestand. 

Preisentwicklungen in einzelnen Stadtteilen: Im Ortsteil Friedrichshain lagen zum Erhebungsstichtag (30. April) alle aktuell angebotenen Wohnungen auf ImmoScout24.de über dem Mietendeckel. Mit durchschnittlich 11,99 Euro pro Quadratmeter ist die Differenz zur zukünftig geforderten Obergrenze am größten. Zuvor war die Differenz in Mitte immer am höchsten. Doch mit 11,78 Euro pro Quadratmeter in Mitte liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis weiterhin deutlich über den Höchstgrenzen. Auch in Kreuzberg und Prenzlauer Berg liegen alle Angebote über den Höchstgrenzen. Die geringsten Differenzen gibt es in Lichtenrade mit 2,37 Euro pro Quadratmeter und Hellersdorf mit 2,27 Euro pro Quadratmeter. Doch auch in der Berliner-Randlage Köpenick liegen 69,70 Prozent und in Lichterfelde 94,74 Prozent der angebotenen Mietwohnungen über den Obergrenzen des Mietendeckel-Gesetzes. Im Durchschnitt überschreiten Vermietende die zulässige Miethöhe mit den angegebenen Preisen in den Inseraten aber immer noch um 3,50 Euro in Köpenick oder um 3,44 Euro pro Quadratmeter in Lichterfelde.

 


Vorwurf der Unredlichkeit der Berliner Vermieter haltlos


23.04.2020: Der IVD Regionalverband Berlin-Brandenburg weist den Vorwurf des Berliner Mietervereins zurück, dass Vermieter mittels einer sogenannten Schattenmiete den Mietendeckel umgehen würden. „Dieser Vorwurf ist unhaltbar und stellt rechtstreue Vermieter, die sich absichern wollen, in ein moralisches Zwielicht. Das ist eine unlautere Diffamierung“, sagt Kerstin Huth, Vorsitzende des IVD-Regionalverbandes Berlin-Brandenburg.

„Vermieter, die den Mieter verpflichten, im Fall, dass der Mietendeckel nicht gilt, die Miethöhe gemäß BGB zu entrichten, handeln im Einklang mit geltendem Recht. Denn in Berlin existieren zwei Mietrechtsregime nebeneinander. Öffentlich-rechtlich regelt der Mietendeckel rein das Preisrecht, d.h. die Höhe der Miete. Welche Miete vertraglich vereinbart werden darf, wird weiterhin ausschließlich privatrechtlich durch das BGB bestimmt. Auf diesen Umstand hat sogar der Berliner Gesetzgeber immer wieder hingewiesen. Es ist sowieso absehbar, dass die zulässige Miethöhe in Berlin wieder durch das BGB geregelt wird. Entweder wird das Gesetz zur Mietenbegrenzung im Wohnungswesen in Berlin durch das Verfassungsgericht kassiert oder es läuft 2024 aus. Hierfür ist eine Regel zu treffen. Das ist keine Trickserei“, so Kerstin Huth.

 


 „Bürokratisches Ungetüm“: Mietendeckel-Gesetz in Kraft getreten


17.04.2020: Mit dem heutigen Erscheinen der „Ausführungsvorschrifiten zum Gesetz zur Mietenbegrenzung“ im Berliner Amtsblatt gelten diese nun verbindlich für die Hauptstadt. Der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA argumentiert gegen den Mietendeckel. „Wir stehen als Spitzenverband der Immobilienwirtschaft dafür ein, dass das Wohnen bezahlbar bleibt“, sagt Stefanie Frensch, Sprecherin der ZIA-Region Ost.  Der Mietendeckel sei jedoch nach wie vor nicht geeignet, den angespannten Wohnungsmarkt Berlins zu entlasten – ganz im Gegenteil. „Es ist zu befürchten, dass sich dieser negativ auf den Neubau und die Modernisierung auswirken wird und energetische Sanierungen nur noch zu einem kleinen Teil umgesetzt werden“, so Stefanie Frensch. Die angespannte Lage in der Hauptstadt werde sich verfestigen und die dringend notwendigen Klimaziele würden nicht erreicht. „Alle Akteure auf dem Markt sind ohnehin durch Corona stark gefordert – und jetzt etabliert der Senat zusätzlich noch dieses bürokratische Ungetüm, das die Verwaltung an die Grenzen des Machbaren bringt“, sagt Stefanie Frensch. „Wir sind – gemeinsam mit vielen Rechtsexperten in ganz Deutschland – davon überzeugt, dass das Bundesverfassungsgericht am Ende die Verfassungswidrigkeit dieses Gesetzes bestätigen wird. Denn wie etwa das Berliner Landgericht bereits festgestellt hat: dem Land Berlin fehlt die entsprechende Gesetzgebungskompetenz.“

 


Mietendeckel lässt Berliner Premiumimmobilienmarkt kalt


25.03.2020: Wie das Handelsblatt berichtete, wirke sich der Berliner Mietendeckel kaum auf das Premiumsegment des Immobilienmarktes aus, obschon er auch dafür gilt. Die Gründe:

  1. Entsprechende Immobilien würden eher selten vermietet und meist für den Eigenbedarf gekauft. 
  2. Wurden Premiumimmobilien vermietet, würden sie bei Beendigung des Mietverhältnisses vor dem aktuellen Hintergrund meist in Eigentum umgewandelt.
  3. Käufe als Kapitalanlage spielten für den Premiumimmobilienmarkt nur eine zweitrangige Rolle, da überwiegend aus Gründen der Vermögenssicherung und der Diversität bei der Vermögensanlage gekauft werde. 

Allgemein seien Premiumimmobilien in Berlin eher rar, was die Nachfrage stütze. Zudem seien Investitionen ins Berliner Premiumsegment noch immer attraktiv, zumal Berlin unter den 100 Weltmetropolen mit den am stärksten steigenden Premiumimmobilienpreisen auf dem achten Platz rangiere (Frankfurt am Main rangiert im Übrigen auf dem ersten Platz).

 


Unsicherheit wegen Mietendeckel: Vermieter halten Studentenwohnungen zurück


 

13.03.2020: Unmittelbar nachdem der Mietendeckel in Berlin in Kraft getreten ist, sieht die Plattform HousingAnywhere.com drastische Auswirkungen auf die Vergabe von Wohnungen. Betroffen sind in erster Linie Studierende, Young Professionals und Berufsstarter, die es nach Berlin zieht. Während die Such- und Buchungsanfragen bei der Plattform konstant zunehmen, kommt es meist nicht zu einem Mietvertrag, weil die Berliner Vermieter rund die Hälfte der Anfragen zurückweisen oder nicht reagieren. Die Vermieter begründen ihr Zögern damit, dass sie derzeit verunsichert sind und die weiteren Auswirkungen des Mietendeckels abwarten wollen – etwa, wie sich das Bundesverfassungsgericht hinsichtlich der kürzlich eingereichten Eilanträge entscheidet.

HousingAnywhere.com ist der Ansicht, dass die Kritik am Mietendeckel gerechtfertigt ist. Aktuelle Zahlen der Plattform zeigten deutlich, dass der Eingriff durch den Mietendeckel das Angebot in Berlin temporär verringert. Auf lange Sicht könnten die betroffenen Vermieter ihre Immobilien verkaufen, da dies rentabler für sie ist. Damit stünden sie der jüngeren Zielgruppen nicht mehr zur Verfügung. Mit Studenten und Young Professionals trifft es eine Gruppe, die für eine Start-up-Metropole wie Berlin besonders wichtig ist. Die einzige Lösung für alle Betroffenen ist laut HousingAnywhere.com die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum. Sonst könnte Berlin zu einer Insel werden, die wertvolles Zukunftspotenzial aussperrt.

 


Mietendeckel bremst Mieten bei Bestandswohnungen, dafür gehen Neubau-Mieten hoch


20.02.2020: Das ifo Institut untersuchte gemeinsam mit der Immowelt Group die im Portal immowelt.de eingepflegten Inserate hinsichtlich erster Auswirkungen des Mietendeckels auf die Angebote. Demnach sind bereits erste Effekte zu bemerken.

Mehrzahl der Berliner Wohnungen überschreiten Mietendeckel-Grenzwerte deutlich

In Berlin liegen die Mieten fast aller auf immowelt.de annoncierten Wohnungen (96,7 Prozent) über dem Mietendeckel. Bei 83,5 Prozent liegt die Abweichung bei über 20 Prozent. Mieten, die mehr als 20 Prozent höher liegen, müssen nach Inkrafttreten des Gesetzes gesenkt werden – auch wenn die Vermietung vor dem Stichtag im Juni 2019 stattfand.

„Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Eigentümer der regulierten Mietwohnungen einen Teil ihrer Mieteinnahmen verlieren. Man kann damit rechnen, dass freiwerdende Wohnungen vielfach dem Mietmarkt entzogen und als Eigentumswohnungen verkauft werden. Neben den Vermietern sind auch Wohnungssuchende in Berlin die Verlierer des Mietendeckels“, sagt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts.

Mieten für nicht regulierte Neubauten legen deutlich zu

Bereits die Ankündigung des Mietendeckels hat die Vermieter in Berlin beeinflusst: Seit Juni 2019 steigen die Mieten von regulierten Wohnungen langsamer als in den übrigen 13 deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern. Bei nicht regulierten Wohnungen (Neubauten ab 2014) stiegen die Mieten hingegen schneller als in den anderen deutschen Großstädten.

Die Schere am Berliner Immobilienmarkt geht damit weiter auseinander: Neubauten, die häufig in bevorzugten Lagen zu finden sind, werden immer teurer. Der Bestand entwickelt sich preislich schwächer. Dadurch sinkt der Anreiz, in die Aufwertung von Bestandsimmobilien zu investieren.

„Die beobachteten Auswirkungen des Berliner Mietendeckels werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht den gewünschten Entlastungseffekt haben, sondern das Auseinanderdriften am Wohnungsmarkt weiter verschärfen“, sagt Cai-Nicolas Ziegler, CEO der Immowelt AG. „Das zeigt das deutlich stärker steigende Mietpreisniveau bei nicht regulierten Neubauten. Eine solche Entwicklung kann für eine Stadtgesellschaft nicht gut sein und widerspricht dem eigentlichen Zweck des Gesetzes. Statt in das Eigentumsrecht von zumeist privaten Vermietern einzugreifen und Investitionen in die Wohnungswirtschaft zu hemmen, sollte die Politik sich darauf konzentrieren, geförderten Wohnraum zu schaffen, wo er gebraucht wird.“

Für die Analyse wurden Annoncen bei Immowelt von Januar 2017 bis Januar 2020 ausgewertet.

 


Ehemalige Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt


05.02.2020: ImmoScout24, Online-Marktplatz für Wohn- und Gewerbeimmobilien, hat untersucht, wie sich das Angebot und die Preise von Miet- und Eigentumswohnungen seit der Ankündigung des Mietendeckels entwickelt haben...

95 Prozent aller Berliner Mietwohnungen überschreiten Mietendeckel-Grenzwerte

Knapp 95 Prozent aller in Berlin seit Anfang 2019 bis Mitte Januar 2020 angebotenen Mietwohnungen mit einer Fertigstellung vor dem Jahr 2014 lagen über den zukünfig durch den Mietendeckel geltenden Grenzwerten. Dabei überschreitet die Miete die zulässige Höhe im Durchschnitt um 5,92 Euro pro Quadratmeter.

Die höchsten Differenzen zu den Mietendeckel-Grenzwerten gibt es in den Stadtteilen:

  • Berlin-Mitte: 11,62 Euro pro Quadratmeter Differenz zu den Grenzwerten
  • Kreuzberg: 9,34 Euro pro Quadratmeter
  • Prenzlauer Berg: 8,79 Euro pro Quadratmeter 
  • Grunewald: 8,23 Euro pro Quadratmeter
  • Friedrichshain: 7,96 Euro pro Quadratmeter

Die geringsten Differenzen zwischen der zukünftig zulässigen Miete und der verlangten Miete gibt es in:

  • Hellersdorf: 2,30 Euro pro Quadratmeter Differenz zu den Grenzwerten
  • Buckow: 1,83 Euro pro Quadratmeter
  • Marzahn: 1,40 Euro pro Quadratmeter

Auch in den Randbezirken liegen aktuell noch zwischen 78 Prozent der Angebote in Lichtenrade und 93 Prozent in Marzahn über den zukünftigen Höchstgrenzen.

Mietendeckel mit sozialer Unwucht

Mietern in Bestandsverträgen gibt der Berliner Mietendeckel die Möglichkeit, eine Reduktion der Miete einzufordern, wenn ihre Miete 20 Prozent oder mehr über den in den Baualtersklassen festgelegten Richtwerten liegt. Dazu müssen sie nach der neuen Fassung des Gesetzes allerdings selbst tätig werden.

Ein Musterpaar in Mitte oder Prenzlauer Berg könnte mit dem Mietendeckel bei einer sanierten 100-Quadratmeter-Altbauwohnung um die 300 Euro und mehr sparen. Eine Kleinfamilie aus Marzahn oder Hellersdorf in einem unsanierten 80er-Jahre-Bau mit der gleichen Größe hingegen nur 50 bis 100 Euro. "Der Mietendeckel soll Mieter entlasten und den Preisdruck reduzieren, aber seine Systematik hat eine soziale Unwucht", kommentiert Dr. Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmoScout24.

Mietwohnungen vermehrt in Eigentumswohnungen umgewandelt

Die Analyse zeigt auch, dass das über dem Mietendeckel liegende Mietangebot seit Anfang 2019 kontinuierlich um etwa 18 Prozent abnahm ­- seit dem Regulierungsstichtag 18. Juni 2019 etwa um zehn Prozent. Gleichzeitig ist seit Juli 2019 das Angebot an unvermieteten Eigentumswohnungen auf ImmoScout24 um 40 Prozent gestiegen. Auch bereits vermietete Eigentumswohnungen werden verstärkt angeboten (+ 25 Prozent).

"Auf Basis unserer Daten kann man vermuten, dass Eigentümer bereits seit Juli 2019 verstärkt Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umwandeln und verkaufen", schätzt Dr. Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmoScout24 die Marktlage ein.

Vermieter lehnen Mietendeckel mehrheitlich ab

Der Mietendeckel sorgt sowohl bei Mietern als auch bei Vermietern für Verunsicherung und eine langanhaltende Rechtsunsicherheit. Eine Kundenumfrage bei ImmoScout24 belegt eine große Ablehnung des Mietendeckels auf Vermieterseite. 47 Prozent der Vermieter würden als Konsequenz des Mietendeckels alle Investitionen stoppen und keine Mittel mehr in die Instandhaltung ihrer Objekte stecken. Knapp acht von zehn Befragten sehen ihn als ein massives Eingreifen in ihre Eigentumsrechte.

Neubau kann mit Nachfrage nicht Schritt halten

Berlin erlebte in den letzten Jahren laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg einen Zuzug von 30.000 bis 50.000 Menschen pro Jahr (Netto-Einwanderung). Derzeit gibt es einen Fehlbestand zwischen 100.000 und 135.000 Mietwohnungen. Von Juli bis September 2019 gab es rund 28 Prozent weniger neue Baugenehmigungen für Wohnungen als im Vorjahreszeitraum.

"Der Neubau hält nicht mit dem Bedarf Schritt. Dieses strukturelle Problem bleibt durch den Mietendeckel ungelöst - und wird sich sogar verschärfen durch weniger Investitionen in Neubau und einen drohenden Sanierungsstau", prognostiziert Dr. Thomas Schroeter. "Es steht insofern zu befürchten, dass der Mietendeckel eine Negativspirale in Gang setzt. Dann wird der Preisdruck langfristig sogar noch zunehmen."

Methodik: Für die Analyse hat ImmoScout24 alle Mietinserate seit 1. Januar 2019 bis 23. Januar 2020 analysiert, die in die durch den Mietendeckel festgelegten Baualtersklassen fallen. Für die Umfrage zum Mietendeckel befragte ImmobilienScout24 im Sommer 2019 mehr als 1.000 private Vermieter.

 


Das sagt die Bevölkerung zu Mietendeckel und Co.


Mietendeckel findet viele Befürworter

Laut einer Umfrage der infratest dimap für die ARD finden 71 Prozent der Deutschen die Einführung des Mietendeckels "eher gut". Vor allem Wähler der Linken, Grünen und SPD befürworten die Entscheidung für den Mietenstopp, während große Teile der Wähler von CDU/CSU, AfD und FDP den Mietendeckel "eher schlecht" finden.

Wohnungspolitik wird abgestraft

Wenig zufrieden zeigten sich die Deutschen in der Umfrage mit der einheimischen Wohnungspolitik.

  • Nur 1 Prozent ist "sehr zufrieden".
  • 13 Prozent sind "zufrieden". 
  • 44 Prozent sind "weniger zufrieden".
  • 36 Prozent sind "gar nicht zufrieden".

Diese Unzufriedenheit zieht sich einmütig durch die Lager der Wähler aller Parteien.

Sorge vor finanzieller Überforderung gering

Auf die Frage, ob sie sich Sorgen machen würden, sich ihre jetzige Wohnung/ihr jetziges Haus in zehn Jahren nicht mehr leisten zu können, antworteten die Befragten, dass die Sorge:

  • sehr groß sei - 10 Prozent
  • groß sei - 19 Prozent
  • gering sei - 31 Prozent
  • nicht vorhanden sei - 37 Prozent

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