Investitionsanstieg, stabile Mieten und Leerstandsproblem: Neuer vtw-Wohnungsmarktreport für Thüringen

Investitionsanstieg, stabile Mieten und Leerstandsproblem: Neuer vtw-Wohnungsmarktreport für Thüringen

Investitionsanstieg, stabile Mieten und Leerstandsproblem: Neuer vtw-Wohnungsmarktreport für Thüringen
Das Projekt BorntalBogen wurde im Rahmen des Tages der Thüringer Wohnungswirtschaft ausgezeichnet. Copyright: Erfurter Wohnungsbaugenossenschaft „Borntal“ eG

Der vtw hat im Rahmen des Tages der Thüringer Wohnungswirtschaft die Daten und Fakten für den Wohnungsmarkt 2021 im Freistaat präsentiert. Demnach bremst Corona nicht die Investitionsbereitschaft der Thüringer Wohnungswirtschaft, aber der Wohnungsleerstand bereitet Kopfzerbrechen. Zudem wurde der Thüringer Preis der Wohnungswirtschaft verliehen ...

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Der Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V. (vtw) hat heute im Rahmen des digitalen Tages der Thüringer Wohnungswirtschaft die Daten und Fakten 2021 für den Wohnungsmarkt im Freistaat präsentiert. Im Kern dokumentiert der Report, dass sich der Thüringer Wohnungsmarkt dank Modernisierung, hoher Fluktuation und kontinuierlichem Neubau weiterhin im Gleichgewicht befindet. „Wohnen bleibt in ganz Thüringen flächendeckend bezahlbar – das gilt auch und vor allem für großen Städte“, betont Verbandsdirektor Frank Emrich

Thüringer Wohnungswirtschaft plant Investitionsanstieg für 2021

Corona bremst die Investitionsbereitschaft der Thüringer Wohnungswirtschaft nicht. Im Gegenteil: Der Pandemie zum Trotz planen die 221 Mitgliedsunternehmen des vtw in diesem Jahr die gewaltige Summe von 549 Millionen Euro (und damit 106 Millionen Euro mehr als 2020) zu investieren. „Die Wohnungswirtschaft kommt auch in dieser schwierigen Situation ihrer Eigentumsverpflichtung nach“, so Frank Emrich.

Die Investitionen in Instandhaltungen und -setzungen liegen mit 225 Millionen Euro ebenso über dem Vorjahresniveau (2020: 210 Millionen Euro) wie die Investitionen in Modernisierungen, wo ein noch deutlicherer Anstieg um etwa 57 Millionen auf 219 Millionen Euro erwartet wird. „Klar erkennbar ist hier der zweite Sanierungszyklus“, erläutert Frank Emrich, „Wir befinden uns in einem Spagat aus der Anschaffung neuer Technik, Ansprüchen an höhere Wohnqualität und Maßnahmen zum Erreichen der Klimaneutralität – bei deutlich steigenden Baukosten. Um das zu bezahlbaren Mieten umzusetzen, ist die Wohnungswirtschaft auf Fördermittel angewiesen.“

Beim Neubau sieht das Budget insgesamt 104 Millionen Euro vor (2020: 72 Millionen Euro). Die Zahl der fertiggestellten Neubauwohnungen belief sich 2020 unter den Mitgliedsunternehmen des vtw auf 346 Einheiten. Etwas mehr als die Hälfte davon (181) entfielen auf Kommunen im ländlichen Raum (Erfurt, Jena und Weimar: 165 Wohnungen). Zurückgebaut wurden 2020 insgesamt 539 Wohnungen. In diesem Jahr müssen weitere 788 Einheiten vom Markt genommen werden.

Der vtw und das bezahlbare Wohnen: Mieten steigen um 9 Cent

Die durchschnittliche Nettokaltmiete der vermieteten Wohnungen lag Ende 2020 bei 5,17 Euro pro Quadratmeter (Ländlicher Raum: 4,94 Euro pro Quadratmeter; Erfurt, Jena und Weimar: 5,64 Euro pro Quadratmeter). Das sind neun Cent oder 1,8 Prozent mehr als zum Vorjahreszeitpunkt. Die Nettokaltmiete einer 70 Quadratmeter großen Wohnung belief sich somit im Durchschnitt auf 362 Euro im Monat. „Damit stehen die Wohnungsunternehmen im vtw thüringenweit weiterhin für bezahlbares Wohnen“, sagt Frank Emrich. „Dieses durchschnittliche Mietniveau ist langfristig jedoch kaum geeignet, die getätigten und vor allem die anstehenden Investitionen in Neubau und Bestandserhalt zu refinanzieren. In besonderer Weise gilt das für den ländlichen Raum.“

Auf Kreisebene reicht der Preisanstieg im Bestand von stagnierenden Mieten im Landkreis Schmalkalden-Meiningen bis zu einem Plus von 3,5 Prozent (auf 4,67 Euro pro Quadratmeter) im Landkreis Hildburghausen. Bei den Neuvermietungen offenbart sich: 80 Prozent aller Wohnungen wurden 2020 für weniger als 6,00 Euro pro Quadratmeter vermietet. Im Bereich von 8,00 bis 10,00 Euro pro Quadratmeter wurden lediglich 1,2 Prozent der Wohnungen, meist Neubau oder kürzlich vollständig sanierte Wohnungen in sehr guter Lage, vermietet. „Höhere Mietpreise sind die absolute Ausnahme und machen mit 0,1 Prozent einen sehr geringen Teil der Wohnungen aus“, so Frank Emrich. Die Diskussion über zu hohe Mieten entbehre in Thüringen jedweder Grundlage. „Sowohl die Bestandsmieten als auch die Neuvertragsmieten in unseren Mitgliedsunternehmen sind sozial und überfordern keine Mieter. Damit das so bleibt, ist eine deutliche Ausweitung der Wohnraumförderung unabdingbar.“

Leerstand bleibt laut Wohnungsmarktreport für Thüringen weiterhin problematisch

Sorgen bereitet in Thüringen wieder stärker der Wohnungsleerstand. Er stieg 2020 in Stadt und Land auf eine Quote von durchschnittlich 8,8 Prozent (2019: 8,4 Prozent). Zusammen mit den von der Statistik nicht berücksichtigten stillgelegten 684 Wohnungen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit abgerissen werden müssen, ergibt sich sogar eine Leerstandsquote von 9,1 Prozent (24.000 Wohnungen).

Gerade beim Leerstand macht der vtw-Marktreport eine Kluft deutlich, die sich so nicht weiter entwickeln darf. In den drei Städten Erfurt, Jena und Weimar ist die Leerstandsquote seit mehr als zehn Jahren nahezu unverändert. Ende 2020 betrug sie 3,9 Prozent, dies entspricht der Fluktuationsreserve. Anders verhält es sich im ländlichen Raum. Hier stieg die Quote auf 10,7 Prozent. Berücksichtigt man die stillgelegten Wohnungen, die alle im ländlichen Raum liegen, beläuft sich die Quote sogar auf 11,1 Prozent. „In Thüringen gibt es keinen Wohnungsmangel, sondern Leerstände in Größenordnungen. Das weitere Ausbluten des ländlichen Raums verschärft die Probleme“, so Frank Emrich. „Um diesen Trend aufzuhalten, müssen alle Akteure zusammenarbeiten. Die unternehmerische Wohnungswirtschaft ist bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten.“

Die ausführlichen Daten und Fakten für den Thüringer Wohnungsmarkt finden Sie hier

Thüringer Preis der Wohnungswirtschaft geht an Erfurter BorntalBogen

Im Rahmen des "Tages der Thüringer Wohnungswirtschaft" erhielt die Erfurter Wohnungsbaugenossenschaft Borntal eG für ihr Projekt "BorntalBogen" den Thüringer Preis der Wohnungswirtschaft in der Kategorie „WohnRäume 2021“. Minister Benjamin-Immanuel Hoff überreichte den Preis, der unter der Schirmherrschaft des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft steht: „Im Namen der Landesregierung gratuliere ich der WBG Borntal in Erfurt herzlich zu diesem Erfolg. Ziel des Wettbewerbs des vtw ist es, herausragende Neubau- und Sanierungsprojekte zu prämieren, die sich den vielfältigen Herausforderungen der Wohnungswirtschaft annehmen und dabei wirtschaftliche, soziale und nachahmungswürdige Projekte realisieren“, so Minister Benjamin-Immanuel Hoff. 

Die Jury, der auch Minister Hoff angehörte, würdigte den „BorntalBogen“, der sich gegen 13 Mitbewerber durchsetzte, als einen wertvollen Beitrag für bezahlbares innerstädtisches Wohnen, der auch eine seit fast einem Jahrhundert bestehende städtebauliche Fehlstelle in der Erfurter Andreasvorstadt schließt. Zudem sei das Projekt ein „gelungenes Beispiel der Zusammenführung genossenschaftlicher, privater und öffentlicher Interessen“. Der Anteil der WBG Borntal umfasst 68 individuell gestaltete und barrierearme Neubauwohnungen mit Wohnflächen zwischen 43 und 112 Quadratmetern für verschiedene Zielgruppen. Mit einer Anerkennung wurden die Projekte "Wohnen im Park" der WWG Kölleda Wohnungswirtschaft GmbH und die Quartiersentwicklung im Liebigweg in Rudolstadt, Schwarza Nord bedacht.

Wohnungsbestand in Thüringen steigt weiter: In Thüringen steigt die Zahl der Wohnungen weiter an. Über 1,19 Millionen Wohnungen gab es im Bundesland Ende 2020, teilte das Thüringer Landesamt für Statistik jetzt mit. Was der Blick in die Statistik noch zeigt.
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Wohnungsbestand in Thüringen steigt weiter

LeerGut-Agenten: Initiative gegen den Leerstand in Thüringen: Die LeerGut-Agenten wollen die ländlichen Räume beleben, indem sie gemeinwohlorientierte Bündnisse bei der Entwicklung ungenutzter Gebäude unterstützen.
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Thüringen: Leerstand auf dem Land belastet Wohnungsunternehmen: Obschon die Corona-Krise den ländlichen Raum verstärkt als interessanten Wohnstandort in den Fokus gerückt hat: In Thüringen wird der Leerstand von Wohnungen auf dem Land zu einem immer größeren Problem.
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Thüringen: Leerstand auf dem Land belastet Wohnungsunternehmen